Glossar
Wir haben ein Glossar mit den häufigen Begriffen aus dem Bereich der Palliativversorgung für Sie zusammengestellt. Sie finden unser Glossar hier.
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AAPV
Allgemeine Ambulante Palliativversorgung. Dies ist die Basisversorgung, die durch Hausärzte und reguläre Pflegedienste geleistet wird. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Beschwerden stabil sind und keine spezialisierte 24-Stunden-Rufbereitschaft eines Palliativteams erforderlich ist.
Ambulanter Hospizdienst
Ein Dienst, bei dem meist speziell geschulte Ehrenamtliche Schwerkranke und ihre Familien zu Hause besuchen. Sie leisten keine medizinische Pflege, sondern schenken Zeit: Sie führen Gespräche, hören zu, entlasten Angehörige im Alltag oder sind einfach unterstützend anwesend. Dieser Dienst ist für die Familien kostenfrei.
APAT
Ambulante Parenterale Antibiotikatherapie. Hierbei werden notwendige Antibiotika nicht als Tablette, sondern als Infusion direkt in die Blutbahn verabreicht. Dies kann erforderlich sein, wenn der Wirkstoff nicht in Tablettenform eingesetzt werden kann. Die Antibiotikagabe erfolgt dann sicher zu Hause durch unser Team (z. B. über einen Port), sodass ein Krankenhausaufenthalt, nur wegen einer Infusionstherapie, vermieden werden kann.
Appetitlosigkeit (Anorexie)
Ein häufiges Symptom bei fortgeschrittenen Erkrankungen, bei dem das natürliche Hungergefühl nachlässt. Dies führt oft zu einer Kachexie (einem starken, krankheitsbedingten Gewichtsverlust und Kräfteverfall), die sich durch herkömmliche Ernährung allein meist nicht aufhalten lässt. In der Palliativversorgung steht hier der Genuss statt der Kalorienzufuhr im Vordergrund. Wir unterstützen Angehörige und Patienten dabei, den Druck, “Essen zu müssen”, herauszunehmen.
Aszites
Auch bekannt als Bauchwasser. Es handelt sich um eine Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, die den Bauch spannt und auf die Organe drückt. Durch das SAPV-Team kann diese Flüssigkeit auch zu Hause regelmäßig und schmerzfrei entlastet (punktiert) werden, was für sofortige Erleichterung sorgt.
Atemtherapie
Eine spezielle Maßnahme innerhalb der Physiotherapie. Durch gezielte Griffe, spezielle Lagerungstechniken und Übungen hilft der Therapeut dem Patienten, die Atmung zu erleichtern, Sekrete zu lösen und die oft mit Luftnot verbundene Panik zu reduzieren.
H
Heimparenterale Ernährung
Ernährung, die über eine Infusion direkt in die Blutbahn erfolgt, wenn eine normale Nahrungsaufnahme über den Magen-Darm-Trakt nicht mehr ausreichend möglich ist. Diese Infusion erfolgt z.B. über Nacht, um tagsüber hierdurch nicht eingeschränkt zu sein. Hierdurch ist es Patienten möglich, trotz des hohen Unterstützungsbedarfs mit regelmäßigen Infusionen zur Ernährung, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben.
Hilfsmittel
Gegenstände oder technische Geräte, die dazu dienen, Beschwerden zu lindern, die Sicherheit zu erhöhen oder die häusliche Pflege zu erleichtern. Die Bandbreite reicht von einfachen Utensilien wie einem Duschhocker für die sichere Körperpflege über Mobilitätshilfen wie einem Rollator bis hin zu komplexen Installationen wie einem elektrisch verstellbaren Pflegebett. Letzteres ermöglicht nicht nur eine bequeme Lagerung für den Patienten, sondern erleichtert auch den Angehörigen und Pflegekräften die tägliche Versorgung erheblich. Die Verordnung kann durch das Palliativnetz Heidekreis erfolgen.
Hospiz (stationär)
Eine eigenständige, wohnliche Einrichtung für die letzte Lebensphase. Hier finden Menschen Aufnahme, deren Versorgung zu Hause trotz Unterstützung nicht mehr möglich ist. Das Ziel ist nicht Heilung, sondern eine Atmosphäre von Geborgenheit, professioneller Pflege und medizinischer Versorgung bei zugleich im Vordergrund stehender menschlicher Nähe.
I
Ikterus
Bekannt als Gelbsucht; eine Gelbfärbung von Haut und Augenweiß, oft verursacht durch einen Tumor, der die Gallenwege einengt. In der Palliativmedizin steht die Linderung des oft begleitenden Juckreizes oder das Einsetzen kleiner Entlastungs-Röhrchen (Stents) im Vordergrund. Das Einsetzen eines Stents erfolgt in einem Krankenhaus.
K
Kachexie
Ein ausgeprägter, krankheitsbedingter Gewichtsverlust und Kräfteverfall. In der Palliativmedizin konzentriert man sich darauf, den Genuss am Essen so weit wie möglich zu erhalten, ohne den Patienten zum Essen zu drängen, da der Körper die Nahrung oft nicht mehr herkömmlich verwerten kann.
Kooperationspartner
Hierbei handelt es sich um eigenständige Ärzte, Pflegedienste oder therapeutische Anbieter (z. B. spezialisierte Apotheken oder Sanitätshäuser), die rechtlich selbstständig sind, aber eng mit unserem Palliativnetz zusammenarbeiten. Alle Kooperationspartner verfolgen dieselbe Zielsetzung: die bestmögliche Versorgung und Begleitung von Patienten in einer palliativen Situation. Durch verbindliche Absprachen und gemeinsame Qualitätsstandards stellen wir sicher, dass die medizinische, pflegerische und psychosoziale Betreuung Hand in Hand geht und keine Versorgungslücken entstehen.
Krampfanfälle
Diese können als Folge von Hirnmetastasen auftreten und wirken ähnlich wie Epilepsie. Das Palliativteam stellt für diesen Fall Notfallmedikamente bereit (z. B. als Nasenspray oder Schmelztablette), die Angehörige einfach verabreichen können, um den Anfall schnell und sicher zu stoppen.
L
Luftnot (Dyspnoe)
Das subjektive Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. In der Palliativversorgung wird dies nicht nur mit Sauerstoff, sondern oft auch sehr effektiv mit Medikamenten (z. B. niedrig dosierten Opioiden), spezieller Lagerung und Atemtherapie gelindert, um die Angst zu nehmen.
Lymphdrainage
Eine sanfte Massageform durch spezialisierte Therapeuten (Physiotherapie), um angestaute Flüssigkeit (Ödeme) sanft aus dem Gewebe abzutransportieren. Dies reduziert Spannungsgefühle in den Gliedmaßen und verbessert die Beweglichkeit sowie das Hautgefühl.
M
Muster 63
Das offizielle ärztliche Formular, mit dem die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) verordnet wird. Es ist die rechtliche Grundlage, damit das Palliativteam für Sie tätig werden kann.
N
Notfallbox
Eine Box, die vom Palliativteam direkt beim Patienten zu Hause deponiert wird. Sie enthält speziell für Krisensituationen (z. B. plötzliche Schmerzen oder Atemnot) vorbereitete Medikamente. So kann im Ernstfall sofort gehandelt werden, ohne auf eine Apotheke oder das Eintreffen des Teams zu warten.
O
Ödem
Eine sichtbare Schwellung im Gewebe durch Flüssigkeitseinlagerung. Diese kann durch einen Rückstau in den Lymphbahnen oder durch einen allgemeinen Eiweißmangel im Blut entstehen, was typisch für fortgeschrittene Erkrankungen ist.
Off-Label-Use
Der Einsatz bewährter Medikamente außerhalb ihres ursprünglich zugelassenen Bereichs (z. B. neurologische Mittel gegen Übelkeit). Dies ist keine experimentelle Therapie, sondern nutzt medizinisches Fachwissen über Wirkungen, die bei der Entwicklung ursprünglich nicht im Fokus standen.
Onkologischer Arbeitskreis Walsrode
Ein regionaler Zusammenschluss von Fachärzten und Therapeuten. Er dient dem Austausch und der Vernetzung, um die Behandlung von Krebspatienten im Heidekreis nach neuesten Standards zu optimieren und eine lückenlose Versorgung sicherzustellen.
P
Palliative-Care-Kraft
Eine Pflegefachkraft mit einer umfassenden spezialisierten Zusatzausbildung. Sie verfügt über hohe Kompetenzen in der Schmerztherapie (Gabe von Opiaten), im Umgang mit Portsystemen, Infusionen und Katheteranlagen sowie in der Krisenbegleitung.
Palliativmediziner / -in
Ein Facharzt oder eine Fachärztin mit einer umfassenden Zusatzqualifikation für die Behandlung Schwerstkranker. Ihr Fokus liegt auf der bestmöglichen Linderung komplexer Symptome wie Schmerz oder Atemnot und der Begleitung in der letzten Lebensphase.
Palliativstation
Eine spezialisierte Abteilung im Krankenhaus. Der Aufenthalt ist meist auf 10 bis 14 Tage begrenzt mit dem Ziel, belastende Symptome intensiv stabil einzustellen, damit der Patient danach wieder nach Hause oder in ein Hospiz entlassen werden kann.
Pflegegrad
Eine Einstufung durch den Medizinischen Dienst, die festlegt, wie viel Unterstützung ein Mensch benötigt. In der Palliativphase kann diese Begutachtung oft im Eilverfahren erfolgen, damit Leistungen der Pflegeversicherung schnell zur Verfügung stehen.
Physiotherapie (palliativ)
Diese dient der Erleichterung im Alltag: Sie hilft, Schmerzen durch Fehlbelastungen zu lindern, die restliche Beweglichkeit zu erhalten und das Wohlbefinden zu fördern. Sie umfasst auch spezialisierte Techniken wie die Atemtherapie und Lymphdrainage.
Pleuraerguss
Eine Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand, die zu Atemnot führen kann. Zur Entlastung kann die Flüssigkeit über eine feine Nadel punktiert oder über einen dauerhaften kleinen Katheter auch zu Hause schmerzfrei abgelassen werden.
Port (Portkatheter)
Eine kleine Kammer unter der Haut (meist am Brustkorb), die mit einer Vene verbunden ist. Er ermöglicht einen dauerhaften und schmerzfreien Zugang für Infusionen oder Blutentnahmen, ohne den Patienten bei jeder Behandlung neu stechen zu müssen.
Psychosoziale Begleitung
ist die Beratung, Unterstützung und Entlastung von Menschen mit lebenslimitierender Erkrankung und deren Angehörigen. Ziel ist körperliche Symptome, psychische Belastungen, spirituell-existenzielle Fragestellungen sowie Probleme im sozialen Umfeld, welche durch die Erkrankung und/oder Behandlung hervorgerufen wurden, besser bewältigen zu können.
S
SAPV
Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung. Ein Team aus spezialisierten Ärzten und Pflegekräften für komplexe Krankheitsverläufe. Es bietet eine 24-Stunden-Rufbereitschaft und ermöglicht eine Versorgung zu Hause, wo die normale Hausarztversorgung nicht mehr ausreicht.
Sarkopenie
Der medizinische Fachbegriff für den fortschreitenden Abbau von Muskelmasse und -kraft infolge der schweren Erkrankung. Dies führt zu einer allgemeinen Schwäche, bei der die Physiotherapie unterstützend ansetzt.
Sauerstofftherapie
Einsatz von Geräten (Konzentratoren), die dem Patienten helfen, wenn die Lunge nicht mehr genug Sauerstoff aufnimmt. Dies erleichtert das Atmen spürbar und nimmt vor allem die quälende Angst vor dem Ersticken.
Schmerzpflaster (z. B. Fentanyl)
Ein Pflaster, das über ca. 3 Tage kontinuierlich ein starkes Schmerzmittel über die Haut abgibt. Dies sorgt für einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel im Blut und ist besonders hilfreich, wenn das Schlucken von Tabletten schwerfällt.
Schmerztherapie
Ein individuell angepasstes Konzept zur maximalen Schmerzlinderung. Ziel ist es, den Schmerz so weit zu reduzieren, dass der Patient wach am Alltag teilnehmen kann und die Lebensqualität erhalten bleibt.
Schmerzpumpe (PCA)
Ein tragbares Gerät, das kontinuierlich Schmerzmittel abgibt. Der Patient kann bei Bedarf über einen Knopf sicher eine zusätzliche Dosis abrufen, um Schmerzspitzen sofort selbstständig abzufangen.
subcutan (s.c.)
Die Verabreichung von Medikamenten „unter die Haut“. Dies ist in der Palliativpflege oft die schonendste und einfachste Methode, um Medikamente wirksam zu verabreichen, ohne eine Vene suchen zu müssen.
Symptomkontrolle
Die gezielte Behandlung aller belastenden Beschwerden einer Erkrankung (wie Schmerz, Angst, Übelkeit oder Unruhe) durch ein spezialisiertes Team, um ein würdevolles Leben zu Hause zu ermöglichen.
U
Übelkeit
Behandlung von Brechreiz, sei es durch die Medikamente (Chemotherapie) oder die Erkrankung selbst. Hier helfen hochwirksame Medikamente (Antiemetika), die oft auch vorbeugend gegeben werden.
Urlaubs-SAPV
Dieses Angebot ermöglicht es Patienten, die in ihrer Heimatregion bereits durch ein Palliativteam (SAPV) betreut werden, sicher und versorgt Urlaub im Heidekreis zu machen. Unser Palliativnetz übernimmt für die Dauer des Aufenthalts die spezialisierte Betreuung und die 24-Stunden-Rufbereitschaft hier vor Ort. So können Patienten und ihre Angehörigen trotz schwerer Erkrankung eine Auszeit genießen, in dem Wissen, dass im Bedarfsfall sofort fachliche Hilfe bereitsteht. Die Koordination erfolgt unkompliziert in Absprache mit dem heimischen Palliativteam. Eine Urlaubs-SAPV vermitteln wir gerne, je nach Kapazität des Teams in der Urlaubsregion, auch unseren Patienten.
W
Wünschewagen
Ein speziell ausgestatteter Krankenwagen z.B. des DRK Walsrode oder des Arbeiter-Samariter-Bundes Hannover, der schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase helfen kann, einen Herzenswunsch zu erfüllen. Ob eine Fahrt ans Meer, der Besuch eines Familienfestes oder eines Konzerts – das Projekt ermöglicht Ziele, die aufgrund der Krankheit mit normalen Mitteln nicht mehr erreichbar wären. Die Fahrten werden ehrenamtlich begleitet, sind für den Fahrgast und eine Begleitperson kostenfrei und medizinisch voll abgesichert, sodass die Sicherheit des Patienten jederzeit gewährleistet ist.
Wundversorgung (bei ulzerierenden Tumoren)
Bei der Behandlung von Wunden, die entstehen, wenn ein Tumor durch die Hautoberfläche bricht (ulzeriert) steht im Gegensatz zur klassischen Wundheilung nicht der Verschluss der Wunde im Vordergrund, sondern die Lebensqualität. Das Ziel des Palliativteams ist die Linderung belastender Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Flüssigkeitsaustritt, etwaige Blutungen oder Geruchsbildung. Durch moderne Wundauflagen und spezielle Pflegetechniken wird sichergestellt, dass die Wunde den Patienten im Alltag so wenig wie möglich beeinträchtigt und seine Würde gewahrt bleibt.
Z
Zuzahlungsbefreiung
Eine finanzielle Entlastung durch die Krankenkasse. Wenn die Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel eine Belastungsgrenze (1 % oder 2 % des Einkommens) überschreiten, kann man sich von weiteren Kosten befreien lassen.

